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Freud und Leid des Validierens

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www.antares-medien.de ist valide! xhtml1.0-valide, genauer gesagt. Da gibt’s sogar ‘nen button für. Aber nicht css-valide. Schade drum. Wie kommt das nur?

Neulich war die Seite auch schon mal valide. Ich dachte mir, ‘hey, guck doch mal nach, wie Dein Quellcode so ankommt’. Und dann hab’ ich’s getan: Validiert. Valid XHTML 1.0 TransitionalWas für ein gei tolles Gefühl, wenn der Validator grün wird. Das ist mindestens so gut wie zehn Minuten den Rücken gekratzt kriegen. Rrrrrrrrrrrrrr. Und weil ich das so toll fand, hab’ ich mir gleich mal den button geholt und eingebaut. “Um meinen Lesern zu zeigen, dass ich um die Interoperabilität meiner website besorgt bin”, wie es auf der homepage des w3c nach erfolgreichem check heisst.

Ich bin eitel. Innerhalb grosszügiger Grenzen, aber ich bin eitel. Darum klick ich manchmal einfach auf meinen eigenen oder von mir gebauten Internet-Seiten rum. So ähnlich wie Onkel Dagobert manchmal ein Bad in seinem Geldspeicher nimmt. (Memo an mich selbst: check mal gelegentlich, wie der alte Duck mit der Finanzkrise umgeht!)
Heute früh hab’ ich auch wieder geklickt. Nur so. Und plötzlich war es passiert: meine Seite war invalide! So muss sich Onkel Dagobert fühlen, wenn er einen falschen Taler in der Hand hält.
Wie konnte das nur passieren? Habe ich nicht alles für die Seite getan? Hab’ ich sie nicht immer gut gepflegt? Sogar neue plugins hab’ ich gelegentlich installiert, um der Seite ein paar neue widgets zu gönnen… Und dann sowas. Allerdings gab’s bei mir nur fünf Fehler. In gewissen Kreisen heisst das, antares-medien.de ist besser als microsoft.com. Gibt’s aber keinen button für.

Wer jemals versucht hat, auf der Basis der Fehlerangaben des Validators den Quelltext zu verifizieren, wird mir recht geben, dass sogar Schuhe mit der Gattin kaufen gehen angenehmer ist. Jedenfalls bis zum dritten, vierten Laden, danach ist das pari. Das gilt umso mehr für den Quelltext von blog- oder cms-Seiten, weil der ja naturgemäss dynamisch ist und man ihn so gut wie nie zu sehen bekommt. (Memo an mich: check mal, ob das Wort ‘naturgemäss’ für digitale Sachverhalte validiert!) Ich kam dem invalidierenden Rüpel trotzdem auf die Schliche.
Ein plugin war schuld. Genauer gesagt sogar zwei pluginne. Das eine generiert eine Liste meiner letzten Twitter-Mitteilungen. Findet man hier ‘n bisch’n tiefer. Völlig korrekt hiess es im Quelltext

<ul id="twitter-updates"></ul>

Die Liste selbst wird per php eingefügt. Funktioniert. Ist aber nicht valide. Der Validator meckert, dass eine Liste doch bitte schön auch Elemente zu enthalten habe.
Natürlich macht eine leere Liste keinen Sinn, aber das entscheidet doch wohl der webmaster! Wenn ich Lust habe, mit einer leeren Tüte durch die Stadt zu laufen, dann mach’ ich das. Da kann mir die internationale Tütenmafia noch so oft sagen, dass da was rein gehört. Mir doch egal!

Aber dann wieder auch nicht ganz egal. Ich will doch validieren!
Naja, ich hab’ mal spasseshalber in die leere Liste ein leeres Listenelement gepackt: Ich habe sozusagen in die leere Tüte noch ‘ne leere Tüte gepackt. Da war der Validator dann zufrieden. Auch wenn’s Blödsinn war. Jetzt steht im Quelltext

<ul id="twitter-updates"><li></li></ul>

Aber da war’n ja immer noch vier Fehler zum Ausmerzen. Angeblich hatte ich zum Beispiel das <body>- und das <html>-tag nicht geschlossen. Hab’ mal nachgeguckt. Stimmte gar nicht. Alle tags zu. Eine dreiste Lüge! Aber nicht valide…

Also wieder rein in die Schuhläden und rumgestöbert. Die Fehler verwiesen wenigstens alle auf eine Stelle: Angeblich hatte ich den <div>-container, der die Seite auf dem Monitor zentriert, nicht beendet. Ganz oben im Quelltext also. Aber warum hat der Validator das nicht schon vor Wochen moniert? Weil’s gar nicht stimmt! Der container war zu. Geradezu vakuumdicht. Dafür ist er jetzt aber weg.

Die Ursache lag bei einem anderen plugin, das ich unvorsichtigerweise in den Quelltext gepastet hatte. Offenbar fehlte dem ein schliessendes <div>-tag, sodass der Validator annehmen musste, ich hätte gepfuscht. Dabei war das der plugin-Mensch. Wie auch immer, ich habe halt versuchsweise den umfassenden container auskommentiert, und da das Universum noch nicht in einer Singularität verschwunden ist, kann diese Massnahme so falsch nicht gewesen sein. Andrerseits: wenn ich vorher auch schon ohne diesen container ausgekommen wäre, warum hatte ich ihn dann? Bin ich die ganze Zeit durch die Stadt gerannt und hatte meine Tüte mit ‘ner Tüte drin in einem ansonsten leeren Koffer? Muss ich jetzt auf Jute umsteigen?

Egal, www.antares-medien.de ist wieder valide. xhtml1.0 transitional. Aber nicht css. Weil ich da nämlich Eigenschaften drin habe, die es gar nicht geben darf: opacity, -moz-border-radius, so Sachen eben. Feine Sachen. Aber nicht Standard. So wie <marquee>. Ist auch nicht Standard, sieht aber - vorsichtig eingesetzt - voll gut aus. Genauso ist das mit runden Ecken und Durchscheineffekt. Darf nicht sein, sagt das w3c. Jedenfalls heute nicht, und nicht so. Obwohl es funktioniert.

Ich weiss ja nicht. Soll ich den button lieber rausschmeissen? Ich meine, Standards und Normen sind gut und schön, aber es geht auch ohne. Zumindest muss man wissen, was man wann um welchen Preis standardkonform oder nicht-standardkonform tut. Die Schweiz benutzt auch andere Stecker für ihre Steckdosen und es geht ihr prinzipiell nicht schlecht.

Hat halt keinen button, die Schweiz.

Selbstzensur bei Wikipedia

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Spiegel online berichtet heute über eine neue Form redaktioneller Bearbeitung beim online-Lexikon Wikipedia.

Dass Inhalte dieses community-getragenen Nachschlagewerks gesichtet und vor sogenanntem ‘Vandalismus’ geschützt werden, ist nichts Neues. Spätestens seit Harald Schmidt vor einigen Jahren in einer live-Sendung den wiki-Eintrag über Afrikanische Elefanten geändert und somit deren Population mal locker vervielfacht hat, muss auch dem letzten online-Anarchisten klar sein, dass ein Projekt, das ernst genommen werden will, ein Minimum an Führung benötigt. Selbstreinigung durch die community hin oder her - will Wikipedia mehr als nur ein Forum, eine “Klowand des Internet” (Jean-Remy van Matt) sein, muss eine gelegentliche Moderation erlaubt sein. Und genau dies geschieht auch schon lange durch Mitglieder der community, die sich Autorität erarbeitet haben.

Nun stand offenbar das Leben eines Journalisten auf dem Spiel. Für die Verantwortlichen bei Wikipedia Grund genug, Einträge zu ändern und zu entfernen. Natürlich schreit die community da auf. War das Projekt nicht angetreten, um gerade auf die inneren Kräfte der Mitarbeitenden zu bauen und auf eine straffe - auch zensierende - Führung zu verzichten? Ja zu zeigen, dass genau das überhaupt gehen kann?
Ich möchte an dieser Stelle nicht abwägen müssen zwischen dem Wert eines Menschenlebens und dem Wert der Wahrheit. Ich möchte auch nicht diskutieren müssen, ob da überhaupt jemand in Gefahr war oder ob die Lebensgefahr nur scheinbar bestand. Ich kann das schlichtweg nicht beurteilen. Und ich behaupte, das können die Wenigsten.
Anscheinend gibt es in den Redaktionen dieser Welt eine Reihe gut unterrichteter Menschen, und es muss jeder für sich entscheiden, ob er diesen Leuten Vertrauen schenkt oder nicht. Im Falle der “BILD” und des Boulevards tun das viele nicht, wenn es um FAZ oder Süddeutsche geht, ist das Vertrauen eher vorhanden. Und bei Wikipedia?

Auch für mich ist das online-Lexikon ein unschätzbares Hilfsmittel geworden, das aus meiner täglichen Arbeit nicht mehr weg zu denken ist. Allerdings bin ich mir bewusst, dass es für die Wahrheit, die dort transportiert wird, keine Gewährleistung gibt, und so checke ich praktisch alle wichtigen Beiträge lieber woanders nochmal. Insofern ist Wikipedia für mich eine Art “quick-and-dirty”-Informationsquelle - eine Gute! Mein Vertrauen ist aber nicht unbedingt.

Die Frage lautet meiner Ansicht nach nicht ‘braucht Wikipedia eine Führung?’. Diese Führung existiert, wie die jetzt öffentlich gewordenen Zensurvorwürfe zeigen. Die Frage lautet auch nicht ‘welche Kompetenzen hat die Führung, was darf sie?’. Eine Führung hat immer genau soviel Macht, wie ihr die “Geführten” zu gestehen. Die Frage die zu diskutieren ist lautet:
‘Vertritt die Wikipedia-Führung die Interessen der community?’

Es gilt im offenen Diskurs zu klären, ob die Leitung des Wiki-Projektes die Interessen ihrer Autoren verraten hat, oder ob sie in der guten Absicht, ein Leben zu schützen gehandelt hat. Und es gilt im Weiteren zu klären, welche Konsequenzen aus der einen oder der anderen These zu ziehen sind.

Ausser Kontrolle - Diskussionsrunden auf Phoenix

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Nachdem in einer Talkrunde auf dem ZDF-Ableger Phoenix kürzlich der Vorsitzende der Piratenpartei ob seiner rhetorischen und argumentativen Unzulänglichkeiten in Bezug auf Zensur und Internetsperren medial hingerichtet wurde, zeigte die “Phoenix Runde” heute nacht, dass es auch anders geht.

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Erfrischend kostruktiv diskutierte Anke Plättner als Moderatorin mit Ossi Urchs (Internetpionier), Astrid Herbold (Journalistin und Internetkritikerin), Jan Krone (Media- und Kommunikationsberater) und Alvar Freude (”Arbeitskreis Zensur”) über das Netz der Netze. “Außer Kontrolle - Welche Macht hat das Internet?” lautete der Titel der Sendung. Aber so tendenziös sich das anhört, war es dann gar nicht.
Dass die Teilnehmer dabei nicht immer d’accord waren, liegt in der Natur der Sache. Das www, das Internet, Medien im Allgemeinen sind viel zu komplex, bilden viel zu viele Themen ab, als dass man annehmen könnte, auch nur zwei Menschen könnten durchgängig einer Meinung sein. Dennoch erschien das Gespräch erstaunlich kooperativ. (Erstaunlich für mich, da ich noch voll unter dem Eindruck des oben erwähnten Massakers am Chef der Piratenpartei stand - welches ich erst wenige Stunden zuvor gesehen hatte - als ich in die “Phoenix Runde” schaltete.)

Endlich fehlten mal die unredlichen Anwürfe, die jeden, der auf die Unzulänglichkeiten in Frau Leyens (von der) Zugangserschwerungsgesetz hinweist, implizit als Unterstützer von Kinderpornografie, Bombenbauanleitungsseiten und Nazis darstellen. Denn es gibt tatsächlich mehrere Sichtweisen auf das Internet, und wir stehen vor der Frage, wie wir damit in einer freien Gesellschaft umgehen wollen.

Wollen wir die Freiheit, kriminelle und menschenverachtende Inhalte veröffentlichen zu können? Auf gar keinen Fall!
Wollen wir die Freiheit, derartige Seiten ansurfen zu können? Mir würde für mich nichts fehlen, wenn ich das nicht dürfte, aber für meine Kinder ein klares ‘Nein’.
Wollen wir die Freiheit, uns mit dem Für und Wider krimineller Inhalte in einer globalisierten Welt auseinander setzen zu können und unterschiedliche Strategien für unterschiedliche Sachverhalte entwickeln zu können? Ja, ja und nochmals ja!

Impressumspflicht für Twitter-user?

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140 Zeichen stehen dem Twitter-user zur Verfügung, wenn er sich der Welt mitteilen möchte. Gefühlte 140140 Zeichen benutzt Henning Krieg, Rechtsanwalt aus Frankfurt/M in seinem Blog, um die Frage zu diskutieren, ob Twitter-user unter Umständen ein Impressum in ihrem Profil vorhalten müssen.

Ich vermute, dass Medienrecht zu den drögeren Disziplinen der Juristerei gehört, Kennzeichnungspflicht umso mehr. Dennoch ist es Herrn Krieg gelungen, die Diskussion spannend und interessant - und zumindest halbwegs ergebnisoffen - zu führen.
“… tatsächlich ist Twitter doch längst viel mehr als nur ein Spaßtool zum Austauschen privater Statusmeldungen. Die Speerspitze ist wohl Dell, das nach eigenen Angaben über Twitter mehr als drei Millionen Dollar umgesetzt hat - und die Anzahl von Firmenaccounts auf Twitter ist längst Legion (auch wenn nicht jede Firma weiß, was sie auf Twitter eigentlich soll)”, so heisst es im zweiten Teil des auf vier Teile angelegten Beitrags.

Eigentlich braucht es kaum mehr Worte, um die Notwendigkeit einer Anbieterkennzeichnung als geschäftlich tätiger Twitterer einzusehen. Kann ja an sich auch nicht schaden. Was die Rechtsprechung tatsächlich daraus machen wird, bleibt abzuwarten. Nach dem derzeitigen Hype um Twitters Rolle in der Iranischen Demokratiebewegung darf man aber wohl damit rechnen, dass sich Deutsche Gerichte alsbald mit dieser Frage beschäftigen werden.

Herrn Krieg danke ich auf jeden Fall für eine lesenswerte Artkelserie!

Ursula und das Gras-Schlamm-Pferd

So, Frau Leyen (von der) hat sich durchgesetzt, das Stoppschild für Surfer wird eingeführt. Verdächtige Inhalte entdecken - melden - voilá. Schon klar, dass das natürlich zu einem immensen Rückgang von kriminellen Web-Aktivitäten im Allgemeinen und Kinderpornographie im Besonderen führen wird. Warum ist da nur nicht schon vorher jemand drauf gekommen? Ach doch, hier!

screenblogwarnung

Willkürliche Sperrungen im Internet bieten aber keine Garantie für die Zensurbehörden. Das macht 05 dieser Beitrag auf Spiegel online deutlich. Chinesische webbies benutzen ähnlich klingende Phantasiewörter, um “unanständige Begriffe” zu verstecken. So erlebt derzeit das Gras-Schlamm-Pferd im Reich der Mitte eine rasante Evolution, die allen Erkenntnissen Darwins trotzt. Aber die chinesischen Autoritäten sind kräftig hinterher. Da kann Frau Leyen (von der) sicherlich ‘ne Menge lernen.

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