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Selbstzensur bei Wikipedia

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Spiegel online berichtet heute über eine neue Form redaktioneller Bearbeitung beim online-Lexikon Wikipedia.

Dass Inhalte dieses community-getragenen Nachschlagewerks gesichtet und vor sogenanntem ‘Vandalismus’ geschützt werden, ist nichts Neues. Spätestens seit Harald Schmidt vor einigen Jahren in einer live-Sendung den wiki-Eintrag über Afrikanische Elefanten geändert und somit deren Population mal locker vervielfacht hat, muss auch dem letzten online-Anarchisten klar sein, dass ein Projekt, das ernst genommen werden will, ein Minimum an Führung benötigt. Selbstreinigung durch die community hin oder her - will Wikipedia mehr als nur ein Forum, eine “Klowand des Internet” (Jean-Remy van Matt) sein, muss eine gelegentliche Moderation erlaubt sein. Und genau dies geschieht auch schon lange durch Mitglieder der community, die sich Autorität erarbeitet haben.

Nun stand offenbar das Leben eines Journalisten auf dem Spiel. Für die Verantwortlichen bei Wikipedia Grund genug, Einträge zu ändern und zu entfernen. Natürlich schreit die community da auf. War das Projekt nicht angetreten, um gerade auf die inneren Kräfte der Mitarbeitenden zu bauen und auf eine straffe - auch zensierende - Führung zu verzichten? Ja zu zeigen, dass genau das überhaupt gehen kann?
Ich möchte an dieser Stelle nicht abwägen müssen zwischen dem Wert eines Menschenlebens und dem Wert der Wahrheit. Ich möchte auch nicht diskutieren müssen, ob da überhaupt jemand in Gefahr war oder ob die Lebensgefahr nur scheinbar bestand. Ich kann das schlichtweg nicht beurteilen. Und ich behaupte, das können die Wenigsten.
Anscheinend gibt es in den Redaktionen dieser Welt eine Reihe gut unterrichteter Menschen, und es muss jeder für sich entscheiden, ob er diesen Leuten Vertrauen schenkt oder nicht. Im Falle der “BILD” und des Boulevards tun das viele nicht, wenn es um FAZ oder Süddeutsche geht, ist das Vertrauen eher vorhanden. Und bei Wikipedia?

Auch für mich ist das online-Lexikon ein unschätzbares Hilfsmittel geworden, das aus meiner täglichen Arbeit nicht mehr weg zu denken ist. Allerdings bin ich mir bewusst, dass es für die Wahrheit, die dort transportiert wird, keine Gewährleistung gibt, und so checke ich praktisch alle wichtigen Beiträge lieber woanders nochmal. Insofern ist Wikipedia für mich eine Art “quick-and-dirty”-Informationsquelle - eine Gute! Mein Vertrauen ist aber nicht unbedingt.

Die Frage lautet meiner Ansicht nach nicht ‘braucht Wikipedia eine Führung?’. Diese Führung existiert, wie die jetzt öffentlich gewordenen Zensurvorwürfe zeigen. Die Frage lautet auch nicht ‘welche Kompetenzen hat die Führung, was darf sie?’. Eine Führung hat immer genau soviel Macht, wie ihr die “Geführten” zu gestehen. Die Frage die zu diskutieren ist lautet:
‘Vertritt die Wikipedia-Führung die Interessen der community?’

Es gilt im offenen Diskurs zu klären, ob die Leitung des Wiki-Projektes die Interessen ihrer Autoren verraten hat, oder ob sie in der guten Absicht, ein Leben zu schützen gehandelt hat. Und es gilt im Weiteren zu klären, welche Konsequenzen aus der einen oder der anderen These zu ziehen sind.

tld-Info

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Wenn Sie schon immer wissen wollten, was Adressendungen wie “.us”, “.tv” oder auch “.ws” bedeuten, finden Sie hier eine umfassende Auflistung aller Top Level Domains.

Die Geldmaschine im Internet

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Eine Seite, die vielleicht für den einen oder anderen ganz nützlich sein mag, ist mir eben über den Bildschirm gelaufen: der $timator schätzt (daher der Name…) den aktuellen Verkehrswert einer website anhand verschiedener Parameter.

Neben den backlinks auf die Seite, der Relevanz in sozialen Netzwerken und dem ranking in Suchmaschinen werden auch traffic, tld, und Seitenaufbau abgefragt, mit realen domain-Verkäufen abgeglichen und anhand des tagesaktuellen Marktes hochgerechnet. Welche Algorhythmen da im Hintergrund ablaufen, bleibt allerdings im Dunkel. Die Seite ist derzeit beta, und es bleibt abzuwarten, welchen tatsächlichen Einfluss auf den Markt sie hat.

Bisher wurden laut counter auf der Seite mehr als 880 000 Schätzungen durchgeführt. Spitzenreiter ist dabei - wen wundert’s - die domain google.com mit einem geschätzten Marktwert von einer drittel Milliarde US$. Ebenfalls teuer gelistet sind yahoo, microsoft, wordpress und ebay - letzteres schafft auch noch locker den Sprung in den neunstelligen Bereich. www.antares-medien.de wird noch nicht ganz so hoch veranschlagt, aber die anderen sind ja auch schon länger am Markt…

Fazit: eine nette Spielerei für Zwischendurch, die so manches Staunen auslösen kann. Ob das alles nur Glaskugel ist oder ob die Bewertungen auf fundierten Annahmen beruhen, muss sich zeigen. Im schlimmsten Fall spielt man das halt zwischendurch als eine Art business-Moorhuhn.

Ausser Kontrolle - Diskussionsrunden auf Phoenix

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Nachdem in einer Talkrunde auf dem ZDF-Ableger Phoenix kürzlich der Vorsitzende der Piratenpartei ob seiner rhetorischen und argumentativen Unzulänglichkeiten in Bezug auf Zensur und Internetsperren medial hingerichtet wurde, zeigte die “Phoenix Runde” heute nacht, dass es auch anders geht.

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Erfrischend kostruktiv diskutierte Anke Plättner als Moderatorin mit Ossi Urchs (Internetpionier), Astrid Herbold (Journalistin und Internetkritikerin), Jan Krone (Media- und Kommunikationsberater) und Alvar Freude (”Arbeitskreis Zensur”) über das Netz der Netze. “Außer Kontrolle - Welche Macht hat das Internet?” lautete der Titel der Sendung. Aber so tendenziös sich das anhört, war es dann gar nicht.
Dass die Teilnehmer dabei nicht immer d’accord waren, liegt in der Natur der Sache. Das www, das Internet, Medien im Allgemeinen sind viel zu komplex, bilden viel zu viele Themen ab, als dass man annehmen könnte, auch nur zwei Menschen könnten durchgängig einer Meinung sein. Dennoch erschien das Gespräch erstaunlich kooperativ. (Erstaunlich für mich, da ich noch voll unter dem Eindruck des oben erwähnten Massakers am Chef der Piratenpartei stand - welches ich erst wenige Stunden zuvor gesehen hatte - als ich in die “Phoenix Runde” schaltete.)

Endlich fehlten mal die unredlichen Anwürfe, die jeden, der auf die Unzulänglichkeiten in Frau Leyens (von der) Zugangserschwerungsgesetz hinweist, implizit als Unterstützer von Kinderpornografie, Bombenbauanleitungsseiten und Nazis darstellen. Denn es gibt tatsächlich mehrere Sichtweisen auf das Internet, und wir stehen vor der Frage, wie wir damit in einer freien Gesellschaft umgehen wollen.

Wollen wir die Freiheit, kriminelle und menschenverachtende Inhalte veröffentlichen zu können? Auf gar keinen Fall!
Wollen wir die Freiheit, derartige Seiten ansurfen zu können? Mir würde für mich nichts fehlen, wenn ich das nicht dürfte, aber für meine Kinder ein klares ‘Nein’.
Wollen wir die Freiheit, uns mit dem Für und Wider krimineller Inhalte in einer globalisierten Welt auseinander setzen zu können und unterschiedliche Strategien für unterschiedliche Sachverhalte entwickeln zu können? Ja, ja und nochmals ja!

Impressumspflicht für Twitter-user?

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140 Zeichen stehen dem Twitter-user zur Verfügung, wenn er sich der Welt mitteilen möchte. Gefühlte 140140 Zeichen benutzt Henning Krieg, Rechtsanwalt aus Frankfurt/M in seinem Blog, um die Frage zu diskutieren, ob Twitter-user unter Umständen ein Impressum in ihrem Profil vorhalten müssen.

Ich vermute, dass Medienrecht zu den drögeren Disziplinen der Juristerei gehört, Kennzeichnungspflicht umso mehr. Dennoch ist es Herrn Krieg gelungen, die Diskussion spannend und interessant - und zumindest halbwegs ergebnisoffen - zu führen.
“… tatsächlich ist Twitter doch längst viel mehr als nur ein Spaßtool zum Austauschen privater Statusmeldungen. Die Speerspitze ist wohl Dell, das nach eigenen Angaben über Twitter mehr als drei Millionen Dollar umgesetzt hat - und die Anzahl von Firmenaccounts auf Twitter ist längst Legion (auch wenn nicht jede Firma weiß, was sie auf Twitter eigentlich soll)”, so heisst es im zweiten Teil des auf vier Teile angelegten Beitrags.

Eigentlich braucht es kaum mehr Worte, um die Notwendigkeit einer Anbieterkennzeichnung als geschäftlich tätiger Twitterer einzusehen. Kann ja an sich auch nicht schaden. Was die Rechtsprechung tatsächlich daraus machen wird, bleibt abzuwarten. Nach dem derzeitigen Hype um Twitters Rolle in der Iranischen Demokratiebewegung darf man aber wohl damit rechnen, dass sich Deutsche Gerichte alsbald mit dieser Frage beschäftigen werden.

Herrn Krieg danke ich auf jeden Fall für eine lesenswerte Artkelserie!

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